Privat-Schwimmkurs für Kinder – Interview mit Dr. Mynia Deeg

Interview mit Dr. Mynia Deeg

Inhalt

Ein Thema mit dem sich Eltern, die einen eigenen Pool haben, schon früh auseinandersetzen: Der Schwimmfähigkeit und Wasserkompetenz ihrer Kinder.  Und natürlich bietet es  sich an, seinen Kindern selbst und im eigenen Pool das Schwimmen beizubringen. Swimmondo hat dazu mit Dr. Mynia Deeg gesprochen. Sie ist Gründerin der Online Schwimmschule, Mit ihrem Online Schwimmkurs unterstützt sie Eltern dabei, ihren Kindern das Schwimmen selber beizubringen. Uns verrät sie unter anderem ein paar Einsteigerübungen aus Ihrem neuen Schwimmkurs. 

Wie kommt man auf die Idee eine Online Schwimmschule zu gründen?

Im Alter von 3.5 Jahren ist mein Sohn beinahe ertrunken. Als ich mich dann um einen Schwimmkurs bemüht habe, musste ich feststellen: Das ist gar nicht so einfach. Wartezeiten von mehreren Monaten und dann auch noch einen Kursplatz erwischen der zum Familienalltag passt – das dauerte mit einfach zu lange. Also habe ich beschlossen, ihm und seinen jüngeren Schwestern das Schwimmen selber beizubringen.

Was ist denn der Grund für die langen Wartezeiten für Schwimmkurse?

Die Ursache liegt wohl im Sterben deutscher Schwimmbäder. Immer weniger Schwimmbäder bedeuten immer weniger Bahnzeiten und auch weniger Personal, das Schwimmkurse anbieten kann. Das war schon vor Corona ein Problem. Bereits vor einigen Jahren hat eine Studie ergeben, dass rund 60% der deutschen Grundschüler beim  Übergang in die weiterführende Schule nicht sicher Schwimmen können.

Da bietet sich doch ein eigener Pool für den Schwimmkurs an, oder?

Genau so ist es! Ein eigener Pool schafft – vorausgesetzt er ist auch adäquat gesichert – optimale Ausgangsbedingungen für’s Schwimmenlernen. Denn einer  der Erfolgsfaktoren, wenn es ums Schwimmen geht, ist die Frequenz mit der man übt und mit seinem Kind ins Wasser geht. Und wo kann man häufiger Schwimmen gehen als im eigenen Garten.

Welche Eigenschaften sollte der eigene Pool erfüllen, wenn man seinem Kind darin das Schwimmen beibringt?

Es gibt ein paar Punkte, die man beim eigenen Pool beachten sollte. Für meine Kinder am wichtigsten ist die Wassertemperatur. Ich habe ausgesprochene Frostbeulen, die erst ab 30 Grad so richtig aktiv werden. Eine ziemlich utopische Wassertemperatur für einen Schwimmkurs, ich weiß. Aber hier kann auch ein Neoprenanzug helfen, so dass auch die Kleinsten bei niedrigeren Wassertemperaturen auf ihre Kosten kommen.

Welche Faktoren spielen denn noch eine Rolle?

Die Wassertiefe wird immer wieder diskutiert. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich: So lange die Eltern entspannt im Wasser stehen können, nimmt sie nur eine sekundäre Rolle ein. Natürlich ist es toll, wenn ein Pool unterschiedliche Wasserzonen hat und Kinder im flachen Wasser das Tauchen lernen – so haben sie schneller Erfolgserlebnisse. Ein tieferer Pool hat dafür den Vorteil, dass sie dort das Springen lernen können und es wahrscheinlich keine Diskussion gibt, wenn es nach dem Schwimmkurs mal ins richtig tiefe Becken im öffentlichen Schwimmbad geht.

Spielt die Größe des eigenen Pools eine Rolle?

Das ist tatsächlich ein wichtiger Faktor – für einen kleinen Teilaspekt des Schwimmens. Und zwar, wenn es darum geht Ausdauer aufzubauen und lange Distanzen zu Schwimmen. Für alle anderen Grundfertigkeiten wie Tauchen, Schweben, Vorwärtsschwimmen reicht schon ein Pool von 5m Länge. Und selbst in kürzeren Pools oder auch in einem großen Planschbecken kann man wunderbar das Schweben lernen und so den Kindern beibringen, was Auftrieb bedeutet und wie sie ihn für sich nutzen können.

Gibt es etwas beim Bau des eigenen Pools zu beachten, was wichtig ist für’s Schwimmenlernen?

Also wenn ich eine Empfehlung abgeben kann, dann würde ich immer auf massive Treppen setzen, die in den Pool hineinführen. Massiv, weil sich die Kinder beim Tauchen nicht darunter oder dahinter verklemmen können. Und im Vergleich zu Leitern finde ich Treppen besser, weil die Kinder sich dort selbst in einem tiefen Pool an unterschiedliche Tiefen herantasten können.

Erkläre uns doch bitte einmal, wie du Eltern mit deinem Schwimmkurs dabei unterstützt, Schwimmen zu lernen.

Als ich angefangen habe, meinen Kindern das Schwimmen beizubringen, hatte ich nur ein Ziel: Gerade der Große sollte so schnell wie möglich Schwimmen können. Für mich war klar, dass er als erstes gleich das Brustschwimmen lernt, so wie ich ja damals auch. Seitdem habe ich nicht nur wahnsinnig viel gelernt, sondern auch eine eigene Methode entwickelt und in einen Online-Schwimmkurs übersetzt. So können Eltern ihren Kindern ganz einfach das Schwimmen beibringen. Brustschwimmen spielt dabei übrigens keine Rolle.

Was sind die Bestandteile deiner Methode?

Nachdem ich mich intensiv mit Experten und wissenschaftlichen Studien zum Thema Schwimmen auseinandergesetzt habe, habe ich verstanden, dass Kinder, ganz schnell ihren eigenen Schwimmstil entwickeln. Wenn man sie lässt. Als Eltern ist es eher unsere Rolle  immer wieder unterschiedliche  Impulse zu setzen und ihnen ein wenig den Weg zu weisen. Das bedeutet ganz konkret: In meinem Schwimmkurs erkläre ich Eltern, die Grundlagen des Schwimmens: Von der richtigen Atmung, über Schweben, Tauchen, Springen bis hin zur Fortbewegung. Aber ein wichtiger Bestandteil ist auch die Lehre vom genetischen Lernen.

Genetisches Lernen – das hört sich kompliziert an.

Ist es überhaupt nicht, wenn man das Prinzip einmal verstanden hat. Beim genetischen Lernen überlässt man dem Kind die Führung, es darf sich sozusagen seinen eigenen Lehrplan zusammenstellen. Und dadurch kommt es auch am schnellsten zum Ziel.

Welche Vorteile hat diese Methode

Gerade junge Kinder zwischen 3 und 6 Jahren profitieren von dieser Methode ungemein. Häufig sind sie koordinativ noch nicht so stark, dass sie die technischen Anforderungen der Grundstile in ein paar Kurseinheiten schon umsetzen können. Meine Methode erlaubt natürlich maximale Individualität. Wenn ein Kind nicht gleich am Anfang tauchen möchte ist das vollkommen in Ordnung – es gibt keine starr vorgegebene Reihenfolge die eingehalten werden muss. Der größte Vorteil für uns Eltern: Wir müssen uns nicht mit einer bestimmten Technik auseinandersetzen, was schnell zu Diskussionen führen kann. Wir müssen uns auch keine Sorgen machen, dass sich technische Fehler einschleichen und bspw. der Beinzug für immer “verhunzt” ist. Die sogenannten Beginner-Schwimmstile unterliegen diesen Regeln nicht. Erlaubt ist, was dein Kind am schnellsten von A nach B bringt. Ein weiterer positiver Effekt: Es gibt kaum Konfliktpotential, weil Kinder das Gefühl haben, dass sie die Bestimmer im Wasser sind. 

So viel zur Theorie, aber was ist denn mit der Praxis?

Der wichtigste Baustein meines Schwimmkurses sind sicherlich die Videos mit den Übungen und Beispielen. Die können die Eltern 1:1 übernehmen, oder – und dazu rate ich auch immer – sich selber Übungen ausdenken, die am besten zum eigenen Kind passen. Zusätzlich gibt es übrigens auch ganz viel Video-Material für die Kinder damit sich auch die intensiv mit dem Thema auseinander setzen können. Ein weiterer wichtiger Baustein, der mir aufgrund des Badeunfalls meines Sohnes sehr wichtig ist: Wassersicherheit. Ich helfe Familien individuelle Regeln zu entwickeln, für ihren ganz persönlichen Familienalltag. Und das ist gerade für Poolbesitzer eine extrem wichtige Übung.

Und falls jemand spezifische Fragen hat?

Stehe ich natürlich zur Verfügung. Alle Kursteilnehmer haben die Möglichkeit in regelmäßigen Calls ihre ganz individuellen Fragen zu schildern. Eine Möglichkeit, die gerade von Eltern mit eigenem Pool besonders gerne in Anspruch genommen wird.

Kannst du uns mal eine Kostprobe geben? Was sind aus deiner Sicht die drei besten Übungen zum Schwimmenlernen?

Aber klar! Bevor ich gleich die einzelnen Übungen aus dem Schwimmkurs beschreibe noch etwas ganz Wichtiges vorweg: Kinder lernen am schnellsten, wenn sie Spaß bei einer Sache haben. Vielen Kindern reicht dafür schon alleine das Element Wasser, bei manchen muss man sich noch Spiele und Abenteuer ausdenken oder mal Spielsachen einsetzen, aber als Eltern kennen wir unsere Kinder natürlich am besten.

1. Blubber-Alarm

Eine extrem effektive Übung, wenn es darum geht, dem Kind die richtige Atmung zu vermitteln: Unter Wasser aus- und über Wasser einatmen. Wenn Kinder große Blasen machen und dann nur zum Einatmen aus dem Wasser kommen, dann ist es richtig. Die Königsdisziplin ist dabei, den kompletten Kopf beim Blubbern unter Wasser zu tauchen. Für den Anfang reicht es aber auch, lediglich mit dem Mund Blubberblasen zu produzieren.

2. Springen

Springen ist eine häufig unterschätzte Grundfertigkeit des Schwimmens. Und ein Sicherheitsaspekt – deswegen finde ich es wichtig, schon früh mit den Kindern diese Art des Einstiegs ins Wasser zu üben. Dabei natürlich unbedingt auf eine adäquate Wassertiefe achten. Und auch das Kind mal über den Beckenrand rauskrabbeln lassen. Springanfängern können die Eltern noch beide Hände über Wasser entgegenstrecken und beim Sprung ins Wasser führen.

3. Tauchen

Hier kommen bei meinen Kindern auch gerne Spielsachen zum Einsatz. Entweder “professionelle” Tauchbälle, oder sinkende Plastiktiere, die gerettet werden wollen. Für Tauch-Anfänger, kann man den zu rettenden Gegenstand auch erst einmal auf die oberen Stufen der Treppe legen.

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